Erfahrungsbericht

Der Fall Kelli White


"Mit dem, was ich getan habe, habe ich nicht nur mich selbst betrogen, sondern auch meine Familie, meine Freunde und den ganzen Sport…"


Kelli White hatte 2003 die Sprintwettbewerbe über 100 und 200 Meter bei der Weltmeisterschaft in Paris für sich entscheiden können. Bei der anschließenden Dopingkontrolle wurde jedoch festgestellt, dass sie Modafinil eingenommen hatte. Modafinil stand zum damaligen Zeitpunkt zwar nicht auf der Liste der verbotenen Mittel, von ihrer Wirkungsweise her ist die Substanz aber eindeutig der Klasse der Stimulanzien zuzuordnen, womit sie verboten ist.

 

"Ich war ein Versuchskaninchen"

Später gestand die US-Sprinterin, auch das verbotene Designer-Steroid THG genommen zu haben. Ihr Trainer und der Chef der Firma BALCO, die THG entwickelt und vertrieben hat, hätten ihr dazu geraten. Auf diese Herren ist sie heute nicht mehr gut zu sprechen. "Ich war ein Versuchskaninchen", sagt die 28-Jährige. "Man hat von mir verlangt, sie zu testen, um herauszufinden, ob ich auf bestimmte Produkte besser reagierte als auf andere." (Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 21. Mai 2005)

 

"Das ist nicht, was ich einmal sein wollte"

In einem Interview mit USA Today schildert Kelli White ihre Reuegefühle. Sie habe es nicht ertragen können, sich selbst zu betrachten, weder im Fernsehen noch auf Fotos, besonders jene, als sie die US-amerikanische Meisterschaft über 200 Meter gewann und man ihre gestreifte Muskulatur gut sah. "Es war so offensichtlich, dass da was am Laufen war, besonders für Leute aus dem Leichtathletikumfeld", sagt sie. "Ich hasse dieses Bild, denn es zeigt jemand völlig anderen." Bei der Erinnerung an diese Zeit kommen ihr die Tränen. "Ich merkte, dass mit dem, was ich tat (Doping), ich jemand komplett anderes werden musste, jemand der ich nicht war. Ich musste meine Integrität und mein Wertesystem aufs Spiel setzen. Ich wusste, dass das falsch war. Ich schaue mir diese Person an und denke: Das ist nicht Kelli White. Das bin ich nicht, das ist nicht, was ich einmal sein wollte." (Interview bei www.usatoday.com, 2. Dezember 2004)

 

Dopen, weil alle dopen?

Vor einem Untersuchungsausschuss der amerikanischen Regierung erklärte Kelli White, warum sie zu Doping gegriffen hat: Sie sei davon überzeugt gewesen, dass sie dopen muss, nicht um einen Vorteil zu haben, sondern um den (illegalen) Vorsprung der anderen aufzuholen. Heute arbeitet Kelli White zusammen mit der WADA an einem gemeinsamen Ziel: Der Sport soll wieder sauber werden.

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Seit dem 1. Januar 2010 gilt eine neue Liste der Verbotenen Substanzen und Methoden. Die NADA bietet auf ihrer Homepage die deutsche Übersetzung der WADA-Verbotsliste zum Donwload an (PDF, 118 KB). mehr

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