Wann ist ein Sieg (k)ein Sieg?

Zwei junge Athletinnen umarmen sich nach erfolgreichem Wettlauf, zwei weitere Sportlerinnen im Hintergrund

Siegen und als Sieger gefeiert zu werden ist ein starkes Gefühl. Aber wer den Sieg mit unlauteren Mitteln erreicht, hat meist nicht viel Freude daran.



Der große Moment ist da, alle Athleten sind aufgeregt. Die Spannung liegt geradezu greifbar in der Luft. Der Puls steigt an, und die Knie werden ein bisschen weich. Vergessen sind all die Anstrengungen der letzten Monate, die Entbehrungen des Trainings. Jetzt zählt nur noch der Moment. Ein letzter Blick zu deinen Trainingskameraden, die es auch ins Finale geschafft haben, und dann geht es los. Das Finale beginnt. Du gibst dein Bestes. Du holst alles aus dir heraus. Aber die Konkurrenz ist hart. Die anderen sind auch nicht schlecht, und manchen würdest du vielleicht sogar den Sieg gönnen, weil du weißt, dass sie genauso hart an sich gearbeitet haben wie du. Aber das ist jetzt egal, jetzt konzentrierst du dich voll auf deine Leistung.

Du hast es geschafft, das war die beste Leistung, die du je gebracht hast, aber wird es reichen? Gebannt starren alle auf die Anzeigentafel. Plötzlich leuchten die Zahlen auf und verkünden glanzvoll deinen Sieg. Du hast gewonnen! Deine Trainingskameraden stürmen auf dich zu und umarmen dich, und das Publikum jubelt dir zu. Ein starkes Gefühl. Oder?

Respekt will verdient sein

Wer den Respekt der anderen hat, ist schon ein Gewinner. Sieger haben ihn – aber nur, wenn sie nicht betrogen haben. Doping ist Betrug! Respekt basiert auf Gegenseitigkeit und wird besonders wichtig, wenn man gewonnen hat. Denn auch die anderen haben hart trainiert, bekommen aber nicht den erhofften Lohn.

Die Grundidee des Sports, die Leistung der Teilnehmenden vergleichen zu können, wird durch Doping zerstört. Egal wie hart man trainiert, wenn gedopt wird, gibt es keine Chancengleichheit mehr. Aber gerade das will man doch wissen: Wer hat die bessere Leistung erbracht – ohne verbotene Mittel?

Vielleicht überlegst du ja auch mal, wie es ist, wenn …

  • deine Freunde dir gratulieren, aber du gedopt hast,
  • deine Trainingspartner deine Leistung bewundern, die aber auf Doping basiert,
  • du alle belügen musst, aus Angst, erwischt zu werden.

Der Richter im Kopf

Die Anti-Doping-Regeln als Teil der Regeln im Sport sollen Chancengleichheit sicherstellen. Die Regeln befolgen heißt Fair Play. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, muss die Konsequenzen tragen.

Aber der strengste Richter sitzt meist in deinem eigenen Kopf. Er bestraft dich, auch wenn es niemand anderes gemerkt hat. Er belohnt dich aber auch dann, wenn du zwar nicht auf dem ersten Platz stehst, aber dein Bestes gegeben hast. Es zählt also viel mehr, was du dir vornimmst und was du tatsächlich erreichst.