Was heißt eigentlich "Sichtkontrolle"?

Jeder Athlet und jede Athletin ist ganz allein für die Wahl der richtigen Medikamente verantwortlich. Das war eine der Botschaften der NADA-Präventionstour, die am 9. September 2008 an der Eliteschule des Sports in Frankfurt/Main Station machte.



Verhängnisvolle Dopingfallen und -folgen

Schon verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel oder Passivrauchen von Cannabis können zu positiven Testergebnissen führen. Ebenso der Griff zu einem auf der Verbotsliste stehenden Arzneimittel - selbst wenn es von Eltern oder einem uninformierten Hausarzt empfohlen wurde. All das erklärte Dominic Müser von der Abteilung Prävention der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) den Schülerinnen und Schülern der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt/Main. Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu, denn ein positiver Dopingbefund hat auch für junge Athletinnen und Athleten verheerende Konsequenzen: Eine zweijährige Wettkampfsperre kann unter Umständen das Aus für die Sportkarriere bedeuten. Darum ist es der NADA so wichtig, auf die Gefahren von Doping hinzuweisen und die Ängste vor Dopingkontrollen zu nehmen.

Urinabgabe unter "Sichtkontrolle"

In der Schule und im Sport werde viel zu wenig über Doping gesprochen, beklagte ein junger Athlet: "Dabei ist es doch wirklich wichtig zu wissen, was man bei einer Dopingkontrolle genau zu erwarten hat." Wie ein Kontrollvorgang konkret abläuft, erfuhren die Zuhörenden im Rahmen der Präventionsveranstaltung dann jedoch aus erster Hand: Die bis vor drei Monaten aktive Profi-Fußballerin und Weltmeisterin 2003 Nia Künzer, die die NADA in Frankfurt unterstützte, erzählte, wie sie als Jugendliche erstmals bei einer unangekündigten Kontrolle eine Urinprobe abgeben musste – unter Sichtkontrolle. Allerdings konnte Künzer die Sportlerinnen und Sportler beruhigen: "Der Vorgang heißt zwar Sichtkontrolle, aber alles läuft ganz diskret ab."

"So was kann ich mir kein zweites Mal erlauben"

Auch Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch war in Frankfurt zur Unterstützung der NADA dabei. Er habe einmal einen Test verpasst, da er sich nicht in der Online-Datenbank eingetragen habe, gab der Spitzenathlet zu. Und auch von den Konsequenzen dieses Versäumnisses erzählte Behrenbruch: "Diese Nachlässigkeit brachte mir eine Verwarnung ein. So was kann ich mir kein zweites Mal erlauben. Denn dann wäre ich gesperrt und meine sportliche Karriere wäre mit einem Schlag vorbei."

Andere Länder, andere Kontroll-Sitten

In den meisten Ländern sind die Doping-Kontrollsysteme längst nicht so streng wie in Deutschland. Dies erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin der NADA, Ulrike Spitz, den Schülerinnen und Schülern. Jamaika zum Beispiel habe noch gar keine nationale Anti-Doping-Agentur. "Aber wir dürfen nicht unser eigenes Kontrollsystem aufweichen, um Chancengleichheit zu schaffen. Vielmehr müssen andere Länder ihr System verbessern." Nur so könne erreicht werden, dass sportliche Wettkämpfe auch wirklich fair ablaufen.