Denkanstöße
Gewinnen um jeden Preis?
Wer seinen ganzen Ehrgeiz auf den Sport konzentriert und alle anderen Interessen zurückstellt, ist anfälliger für Krisen, wenn es im Sport mal nicht so gut läuft.
Sieger oder Siegerin zu sein ist ein tolles Gefühl. Deine Anstrengungen
werden belohnt, du rückst in den nächsthöheren Kader auf, deine Eltern sind
stolz auf dich, und du konntest allen zeigen, was in dir steckt. Immerhin hast
du ja lange darauf hingearbeitet: Du trainierst mindestens fünfmal pro Woche,
triffst dich nicht mehr so oft mit den alten Freundinnen und Freunden – schon gar nicht, um mal
abends auszugehen und was zu trinken. Du konzentrierst dich eben voll auf den
Sport. Am Anfang macht es ja auch richtig Spaß. Du schließt neue Freundschaften,
und deine Trainerin oder dein Trainer hilft dir bei allen Problemen. Doch was passiert, wenn deine
Leistungskurve nur noch langsam ansteigt oder du nicht mehr gewinnst? Wie wirst
du damit umgehen?
Doping ist nicht plötzlich da
Im Leistungssport kann es auch vorkommen, dass Betreuungspersonen aus dem Trainingsumfeld oder Sportfunktionäre den Athletinnen und Athleten die Einnahme von Dopingmitteln nahelegen. Dabei werden die Betroffenen nicht "plötzlich" mit Doping konfrontiert, sondern meist allmählich an das Thema herangeführt. Da ist von "Konditionsförderung" und "unterstützenden Maßnahmen" die Rede, Gewissensbisse werden mit rationalen Argumenten übertönt, die Hemmschwelle zum Betrug Schritt für Schritt verringert.
Krisen machen anfällig
Der Griff zu verbotenen leistungssteigernden Medikamenten und Methoden ist sehr häufig auch mit Krisensituationen verbunden, wie sie in jeder Sportlerkarriere auftreten können. Manche Athletinnen und Athleten verbinden mit Doping die Hoffnung, ihre Krise schneller wieder in den Griff zu bekommen. Oft steckt auch die Angst dahinter, dass alles, was man bisher in den Sport investiert oder dafür aufgegeben hat, umsonst gewesen sein könnte. Die Gefahr ist groß, Krisen mit den falschen Methoden schnell und einfach überwinden zu wollen. Besonders dann, wenn man niemanden hat, mit dem man reden kann. Typische kritische Momente in einer Sportlerkarriere sind zum Beispiel die Folgenden:- Du erreichst die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit.
- Du schindest dich und hast trotzdem keinen Erfolg.
- Du befürchtest, dass die anderen im Training oder beim Wettkampf verbotene Mittel nehmen, und willst der Ungerechtigkeit entgegenwirken.
- Dein Trainer, deine Trainerin oder deine Eltern erwarten mehr von dir, aber du spürst, dass du nicht mehr kannst.
- Du fühlst dich von den Kampfrichterinnen und -richtern unfair bewertet.
- Du kämpfst um den letzten freien Platz im Kader.
- Du hast eine langwierige Verletzung, die nicht ausheilen will.
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schrieb am 14.10.2008 15:03